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Ausblick auf den Krebskongress

Pathologie im Fokus – von Präzisionsonkologie über KI bis CUP

Mit einem Pathologen als Kongresspräsidenten wundert es Prof. Dr. Arndt Hartmann, Vorsitzender der AG Onkologische Pathologie in der DKG, nicht, dass die Pathologie stark auf dem Deutschen Krebskongress 2024 vertreten ist. Über die Vorreiterrolle der Pathologie in der Präzisionsmedizin und seine Highlight-Sessions spricht er im Interview.

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Prof. Dr. Arndt Hartmann, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Onkologische Pathologie (AOP) in der Deutschen Krebsgesellschaft.

Prof. Dr. Arndt Hartmann, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Onkologische Pathologie (AOP) in der Deutschen Krebsgesellschaft.

© Deutsche Krebsgesellschaft e.V.

„Mich freut es außerordentlich, dass die Pathologie auf dem DKK 2024 so stark vertreten ist. Das liegt zum einen daran, dass sie eine Vorreiterstellung im Hinblick auf die Präzisionsonkologie einnimmt. Zum anderen, dass sie unentbehrlich für die onkologische Diagnostik ist und deshalb in nahezu keinem klinischen Tumorboard fehlt. Zudem ist auch der diesjährige Kongresspräsident ein Pathologe“, sagt Prof. Dr. Arndt Hartmann, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Onkologische Pathologie (AOP) in der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG).

„Von den vielen Sitzungen, in denen unsere Fachdisziplin thematisiert wird, empfehle ich besonders die beiden Plenarsitzungen zur Pathologie am 22.2. und eine weitere am 24.2. – letztere zum Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Pathologie, ein hochaktuelles Thema – sowie die Sitzungen „Innovative Biomarkerkonzepte zur Steuerung onkologischer Therapien“ und „Whole Exome Sequencing und Liquid Biopsy als prädiktive Marker“ und „Disease Monitoring in der klinischen Onkologie“. Persönlich bin ich außerdem an der Sitzung „Partizipative Entscheidungen die Rolle von Patholog*innen bei der Patientenbeteiligung“ interessiert“, führt Hartmann weiter aus (siehe DKK-Programm).

Herr Professor Hartmann, der breiten Öffentlichkeit ist die Pathologie vorwiegend aus Krimiserien bekannt, um Todesursachen bei Mordfällen aufzuklären. Welchen Anteil macht die Untersuchung von Leichen heutzutage in der Arbeit von Patholog*innen aus?

Die klinische Obduktion, die in der Pathologie durchgeführt wird, hat nach wie vor einen wichtigen Stellenwert bei der Aufdeckung neuer Erkrankungen und in der Qualitätssicherung in der Medizin. Dies wurde in den letzten drei Jahren insbesondere in der COVID-Pandemie deutlich, hier konnten klinische Obduktionen in der Pathologie wesentliche pathogenetische Prinzipien der neuen Erkrankung aufdecken.

Auch bei der Identifizierung von Nebenwirkungen neuer Krebstherapien können Obduktionen einen wesentlichen Beitrag leisten. Insgesamt steht aber natürlich die histopathologische und molekularpathologische Diagnostik am lebenden Patienten, insbesondere in der Tumorpathologie, im Zentrum der Arbeit an den pathologischen Instituten.

Die Pathologie hat eine Vorreiterstellung im Hinblick auf die personalisierte Medizin. Die fortlaufende Entdeckung neuer Biomarker ermöglicht zunehmend eine passgenaue Therapieauswahl, individuell zugeschnitten auf Krebspatient*innen. Was erwarten Sie in diesem Bereich in der Zukunft?

Die Pathologie hat heute eine Vorreiterrolle in der prädiktiven Diagnostik im Hinblick auf die Personalisierte Medizin. Es werden zwar zunehmend molekulare Tests in Blutproben (sogenannte Liquid Biopsy) durchgeführt. Die Kombination einer histopathologischen Diagnostik und prädiktiven immunhistochemischen und molekularpathologischen Untersuchungen an Gewebeproben wird aber auch in Zukunft wesentlicher Bestandteil der personalisierten Behandlung von onkologischen Patient*innen sein.

Ein Beispiel für die zunehmende Bedeutung der Pathologie ist die Entwicklung von Biomarkern für die Vorhersage der Wirksamkeit der sogenannten Antibody-Drug-Conjugates (ADC). Hier wird die multiparametrische Gewebeanalyse zentraler Bestandteil der Therapieplanung werden.

Die Digitalisierung erleichtert Routineaufgaben von Pathologen und Pathologinnen und vereinfacht die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Kolleg*innen. Sind wir hier in Deutschland bereits gut aufgestellt? Und falls nicht, was braucht es dazu?

Die Digitalisierung wird in der Pathologie ein wesentlicher Schwerpunkt in den nächsten Jahren werden. Hier ist Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern noch am Anfang der Entwicklung.

Insbesondere die Entwicklung neuer KI-basierter Algorithmen zur Unterstützung der histopathologischen Diagnostik und speziell zur quantitativen Bestimmung von Biomarkern wird in den nächsten Jahren allerdings zu einem starken Ausbau der digitalen Pathologie auch in Deutschland führen. Hierfür müssen zeitnah die administrativen und finanziellen Voraussetzungen geschaffen werden.

Der Einsatz Künstlicher Intelligenz in der pathologischen Diagnostik ist ein hochaktuelles Thema und wird auf dem DKK nicht nur in Vorträgen, sondern auch auf der Eröffnungspressekonferenz vorgestellt. Wie stehen Sie dazu und welche Vorteile versprechen Sie sich davon?

Die histologische Diagnostik in der Pathologie ist komplex und sicher nicht vollständig durch KI-Methoden zu ersetzen. Insbesondere unter Berücksichtigung eines großen Mangels an Patholog*innen in den nächsten Jahren werden KI-basierte Methoden die Routinediagnostik jedoch sehr unterstützen.

Ein Beispiel dafür ist etwa die Diagnostik des Prostatakarzinoms an zahlreichen Stanzbiopsien, die heute bereits sehr sensitiv durch KI-basierte Methoden unterstützt werden kann. Zusätzlich werden KI-basierte Methoden in der Quantifizierung von Biomarkern sehr hilfreich sein, hier sehe ich einen großen Vorteil digitaler Methoden im Vergleich zur konventionellen histopathologischen Diagnostik.

Infos zum DKK 2024 im Überblick

„Fortschritt gemeinsam gestalten“ – so lautet das Motto des Deutschen Krebskongresses, der vom 21. bis 24. Februar 2024 in Berlin stattfindet. Vorab-Informationen sowie ab Kongressbeginn alle aktuellen Berichte über die DKK-Veranstaltungen finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

In Kooperation mit: Deutsche Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe

Fortschritt gemeinsam gestalten – so lautet das Motto des nächsten Deutschen Krebskongresses

Auf dem größten und wichtigsten onkologischen Fachkongress im deutschsprachigen Raum – 2024 mit mehr als 300 Sitzungen verschiedener Formate – treffen sich alle an der Diagnose und Behandlung von Krebserkrankungen beteiligten Fachrichtungen zum interdisziplinären Austausch.

„Mein zentrales Anliegen ist es, mit dem DKK 2024 den Wissenszuwachs für alle in der Onkologie engagierten Menschen voranzubringen und den interdisziplinären Austausch zwischen den Expert*innen aller Fachrichtungen weiter zu fördern“, sagt Professor Dr. Reinhard Büttner, Kongresspräsident des DKK 2024 und Direktor des Instituts für Allgemeine Pathologie und Pathologische Anatomie an der Uniklinik Köln. „Außerdem möchten wir gezielt den Nachwuchs für die Onkologie begeistern und fit für die Herausforderungen der Zukunft machen.“

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Der DKK wird gemeinsam von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe veranstaltet. Er bildet die Vielfalt onkologischer Themen in verschiedenen Sitzungsformaten, wie etwa Plenarsitzungen und Highlight-Sitzungen, ab. Zudem können sich die Teilnehmer*innen auch in interaktiven Tumorkonferenzen und Fortbildungsveranstaltungen weiterbilden.

Dabei wird der onkologische Nachwuchs gezielt eingebunden und Studierenden werden berufliche Perspektiven aufgezeigt. Aktuelle Fragestellungen, wie beispielsweise zur Krankenhausreform, werden in gesundheitspolitischen Foren diskutiert.

Dieser Bericht ist Teil der Medienkooperation zwischen Springer Medizin und der Deutschen Krebsgesellschaft / der Deutschen Krebshilfe zum DKK 2024.

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