DGIM-Kongress
Bewegung senkt Sturzgefahr
Stürze sind für ältere Menschen einer der häufigsten Verletzungsgründe. Eine Sportwissenschaftlerin gibt Tipps zur Prävention.
Veröffentlicht:WIESBADEN. Konzentration, Schulung des Gleichgewichts, Krafttraining und Anpassen der Inneneinrichtung – das sind die Tipps, die PD Dr. Ellen Freiberger, Sportmedizinerin am Institut für Biomedizin des Alterns in Nürnberg, für ältere Menschen hat, um Stürze zu vermeiden.
Denn nicht nur bärgen Stürze im fortgeschrittenen Alter ein großes Verletzungsrisiko. Auch hielten schmerzhafte Stürze Senioren davon ab, sich weiter zu bewegen.
"Und Bewegung ist das Wichtigste! Inaktivität kommt als Mortalitäts-Risikofaktor direkt neben Rauchen und Herzinfarkt", betonte Freiberger bei einer Konferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) aus Anlass des diesjährigen Patiententages in Wiesbaden.
Das betreffe ältere Menschen in besonderem Maße. Jeder Dritte der über 65-Jährigen stürze mindestens einmal im Jahr, bei den über 80-Jährigen sei es jeder Zweite, teilt die DGIM mit. Damit es nicht so weit kommt, rät Freiberger älteren Menschen, sich auf die nachlassende Gangsicherheit im Alter vorzubereiten.
Vier Tipps
Erstens sei Gehen im Alter nicht mehr automatisiert, erläutert die Sportwissenschaftlerin. Bei älteren Menschen sei die Fortbewegung auch eine kognitive Aufgabe.
Stehen komplizierte Abschnitte wie Bordsteinkanten oder Treppenstufen bevor, könne es helfen, Gespräche zu unterbrechen und sich auf die Platzierung der Füße zu konzentrieren.
Zweitens rät Freiberger, die Mobilität im Alter durch Trainieren der Körperkraft zu erhalten. Das gehe ganz ohne Hanteln oder Gewichtsscheiben: "Ich muss keinen Sport machen, um die Mobilität zu erhalten. Es reicht aus, wenn ein älterer Mensch fünf mal in der Werbepause mit gekreuzten Armen vom Sofa aufsteht. Das ist ein absoluter Trainingseffekt beim eingeschränkten älteren Menschen für die Beinkraft!" Und mit der Beinkraft einher gehe die Mobilität.
Ein drittes Thema sei für ältere Menschen mit Mobilitätseinschränkung eine tägliche Gleichgewichtsschulung zusätzlich zum Krafttraining, um Stürzen vorzubeugen.
Viertens und letztens geht es für Freiberger an die Inneneinrichtung. Denn: 60 Prozent der Stürze passieren in der Wohnumgebung. Freiberger rät jedoch davon ab, Stolperfallen wie Teppiche aus dem Umfeld von Senioren wegnehmen zu wollen.
Das sei auch aus emotionalen Gründen nicht zielführend. Besser sei es da, Teppiche mit doppelseitigem Klebeband zu fixieren oder darauf zu achten, dass eine Kommode im Flur sicher stehe.
Mit diesen Tipps ließen sich Stürze gut verhindern, erklärt Freiberger. Um dieses Thema geht es neben dem Patiententag in Wiesbaden am 7. April auch beim diesjährigen DGIM-Kongress in Mannheim.