Lungenultraschall
Mit Sonografie zur COVID-19-Diagnose
Wichtiger denn je in der COVID-19-Pandemie: die Sonografie der Lungen – und jeder Arzt, der die Methode beherrscht.
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Lungensonografie: Speziell für COVID-19 haben Experten einen Algorithmus entwickelt.
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Stuttgart. Bei einer Onlinekonferenz, zu der die Gesellschaften für Ultraschall in der Medizin SGUM (Schweiz), ÖGUM (Österreich) und DEGUM (Deutschland) geladen hatten, waren sich die Experten einig: Der diagnostische Wert der Lungensonografie reicht weit über COVID-19 hinaus. Als „bildgebendes Stethoskop der Zukunft“ bezeichnete Professor Gebhard Mathis, ÖGUM, die Methode, und meinte damit besonders die inzwischen breit verfügbaren tragbaren Geräte.
Luft ist offenbar nicht länger ein Feind des Ultraschalls, wie Professor Josef Menzel, Neupräsident der DEGUM, konstatierte. Sofern die Krankheitszeichen sich in der Peripherie der Lunge manifestieren, sind sie der Schalldiagnostik gut zugänglich. Die Treffsicherheit in der Pneumoniediagnostik ist jener der Computertomografie vergleichbar, und herkömmlichen Röntgenbildern des Thorax ist der Schall deutlich überlegen.
Algorithmus zur COVID-19-Diagnose
In Deutschland werde die Lungensonografie von niedergelassenen Ärzten jedoch noch kaum angeboten, so die Experten. Dabei würde ein eintägiger Kurs schon genügen, um viele Befunde einordnen zu können. Speziell für COVID-19 haben Experten von SGUM, ÖGUM und DEGUM einen Algorithmus zur Lungensonografie entwickelt. Wie Privatdozent Dr. Konrad Stock vom Klinikum rechts der Isar in München betonte, ermöglichen die dort abgebildeten Beispielsonogramme, eine erste Einschätzung zu treffen.
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Beatmungstherapie bei COVID-19-Patienten – Quo vadis?
Nützlich ist die Lungensonografie auch für die Differenzialdiagnostik von COVID-19. Dr. Rudolf Horn, Spital Val Müstair, wies darauf hin, dass Patienten mit Atemnot aufgrund einer Herzinsuffizienz in der akuten Phase sonografische B-Linien und größere Pleuraergüsse aufweisen können. Doch die Pleura ist unauffällig, und B-Linien wie Ergussbilder unterscheiden sich von jenen bei COVID-19-Patienten, wo Ergüsse eher selten und ein schlechtes Omen sind.
23 Minuten statt drei Stunden
Die Lungen von Patienten mit exazerbierten chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen sind im Ultraschall unauffällig – im Gegensatz zu den Lungen von COVID-19-Patienten. Bilder von ausgedehnten Lungenentzündungen können dabei helfen zu entscheiden, ob ein Patient in die Klinik einzuweisen ist. Und ein Pneumothorax lässt sich sonografisch rasch und sicher diagnostizieren.
Überhaupt die Zeit: Während es bei herkömmlich untersuchten Patienten mit Atemnot im Schnitt drei Stunden bis zur Diagnose dauert, kann der Ultraschall von Lunge und Herz diese Dauer auf 23 Minuten verkürzen.
Selbst wenn also COVID-19 eines Tages Geschichte sein sollte, die sonografische Diagnostik von Lungenerkrankungen wird bleiben, da ist Professor Mathis sicher. (rb)